Parasite. Plan oder nicht Plan …

… Das ist hier die Frage. Überraschungsabräumer bei der Oscar-Verleihung 2020 ist der koreanische Film „Parasite“, eine geniale Mischung aus Slapstick, Hitchcock und Sozialkritik. Darum geht’s:
Die Schmarotzer oder „Parasiten“ sind eine lustige und listige arme Familie, die sich mit Lug und Trug, aber sympathisch bei Reichen einnisten. Dies gelingt ihnen durch ein kooperatives und höchst planvolles Vorgehen.

Dann geschieht etwas, was nicht eingeplant war: Im Luftschutzkeller der Reichen entdecken sie einen weiteren Schmarotzer, der dort schon mehrere Jahre sein Parasitendasein führt. Anstatt dass die Armen kooperieren, bekämpfen sie sich. Der Plan der Armen, als Parasit zu leben, gerät außer Kontrolle.

Am Tiefpunkt der Geschichte findet sich die arme Familie in einer Notunterkunft mit vielen anderen wieder. Eine Überschwemmung hat sie dorthin gezwungen. Da entspinnt sich eine Unterhaltung zwischen Vater und Sohn:

„Vater, was machen wir jetzt? Du hattest doch einen Plan!“ Der Vater, der anfangs noch angegeben hatte, zu wissen, was er wolle, antwortet: „Weißt du, welcher Plan immer funktioniert? Der Kein-Plan. Schau dir diese Menschen an. Sie hatten nicht geplant, die Nacht in dieser Turnhalle zu verbringen. Aber jetzt sind sie hier, obowhl sie es nicht geplant hatten. Immer wenn du im Leben einen Plan machst, kommt alles ganz anders. Deshalb sollte man keine Pläne schmieden. Denn dann kann nichts schief gehen.“

Dies klingt auf den ersten Blick gar nicht so schlecht. Ist das nicht buddhistische Gelassenheit oder stoischer Gleichmut? Das kluge Sichverkrümeln angesichts unüberwindlicher Schwierigkeiten?

Schauen wir genauer hin: Der Kein-Plan ist darf nicht verwechselt werden mit einer stoischen Constanzia, deren Plan darin besteht, sich nicht aus der Ruhe zu bringen lassen, komme, was da wolle. Oder mit einer aus Meditation gewonnener Leidenschaftslosigkeit – Apathia – , deren Plan es ist, ins Nirwana einzugehen oder Gott und den Nächsten in innerem Frieden zu lieben. Der Kein-Plan ist auch nicht zu verwechseln mit der Entscheidung mancher Schulabgänger, die erstmal keinen Plan haben wollen, nachdem sie ihr ganzes Schülerleben verplant wurden. Auch nicht mit der Aussage von Indiana Jones, der auf die Frage „Do you have a plan?“ im Losrennen ruft: „No, I’m making this up as I go!“ Auch das ist ein Plan.

Nein, die Kein-Plan Philosophie des sympathischen Vaters Kim Ki-taek im Film Parasite ist die bittere Selbstaufgabe eines Mannes, der alles im Leben versucht hat und sich nun frustriert dem Würgegriff der Existenz überlässt.

So jedenfalls sieht es der Film, denn: Ab dem Kein-Plan-Gespräch zwischen Vater und Sohn, gemäß dem doch eigentlich nichts mehr schief gehen kann, geht einfach alles schief: Der Vater landet im Keller der Reichen, wo er ausdrücklich nie hinwollte („Wie kann man hier leben?“). Der Sohn verfängt sich in einer unerreichbaren Lebenslüge und will reich werden, die Tochter stirbt und die Mutter muss wieder putzen.

Übrigens: Auch die reiche Familie Park kommt im Film nicht gut weg. Mutter Park hat offensichtlich keinen Plan, lässt sich von jedem leicht um den Finger wickeln und agiert als schönes Möbel im Designer-Haus. Vater Park hat in einer Handy-Firma eine leitende Stellung, die sich „another brick“ nennt, eine Anspielung auf den Pink Floyd-Song „Another brick in the wall“. Selbst nur ein Backstein in der Wand des Systems, liebt er seine Frau nur oberflächlich. An den Armen stört ihn vornehmlich der Geruch – mehr Gedanken hat er sich über sie offenbar nicht gemacht.

Fazit: In einer Gesellschaft wie der von Südkorea, wo der Film spielt und wo die gesellschaftlichen Erwartungen besonders hoch sind, ist es offenbar für Arm und Reich schwer, wirklich proaktiv zu leben und seinen Sinn zu finden. Und genau daran leiden diese Menschen in dem wunderbaren Film „Parasite“.

Mit dem Corona-Virus proaktiv umgehen

Eine sorgfältige Wahrnehmung des Sachverhalts zeigt:

  • Die Krankheit ist für die meisten Menschen nicht lebensbedrohlich.
  • Die Ansteckungsgefahr ist hoch.
  • Das Corona-Virus erfüllt alle Kriterien eine Pandemie (ansteckende Krankheit, die sich flächendeckend ausbreitet).
  • Es gibt noch keine Heilmittel dagegen.
  • Die Pandemie ist eine ständig sich verändernde Größe. Deshalb heißt es: Wachsam bleiben und auch Infos achten!
  • Die Corona-Krankheit ist nur ein Beispiel für viele Krankheiten, die mich anstecken, krank machen oder sogar dahinraffen können.

Dann muss ich feststellen:

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  • Das Virus und die daraus entstehende Epidemie (ansteckende Krankheit) liegen außerhalb meines Aktionsradius genauso wie alle anderen möglichen Todesursachen. Ich kann nichts dagegen unternehmen, dass es dieses Virus und die daraus folgende Bedrohung gibt. Diese Tatsache muss ich einfach akzeptieren. Es hat keinen Sinn, sich dagegen aufzulehnen. Ein proaktiver Mensch kann unterscheiden, was er ändern kann und was nicht. Die Verletzlichkeit und Sterblichkeit von mir als Mensch kann ich definitiv nicht ändern.
  • Daraus folgt, dass sich in mancher Hinsicht mein Aktionsradius verkleinert: Reisen müssen gegebenenfalls abgesagt werden, Konferenzen und Großveranstaltungen. Auch dagegen kann ich nichts unternehmen, sondern muss das akzeptieren. Als proaktiv lebender Mensch weiß ich, dass es immer wieder Ereignisse oder Entwicklungen gibt, die meinen Aktionsradius beschränken werden.
  • Trotzdem weiß ich auch: Nichts und niemand kann mich daran hindern, meine Freiheit zu verlieren. Meine Freiheit besteht nicht darin, das zu ändern, was außerhalb meines Aktionsradius liegt. Meine Freiheit besteht darin, mich zu dem, was mich einschränkt, einzustellen und zu verhalten. Also: Was kann ich proaktiv tun?
  • Hygiene-Regeln einhalten, siehe zum Beispiel https://www.infektionsschutz.de/mediathek/printmaterialien.html
  • Mich mit den letzten Dingen (mein Sinn, mein Leben, mein Tod) beschäftigen. Dies hilft mir, in Zeiten der Bedrohung Ruhe zu bewahren.
  • Heute leben und heute das tun, was ich tun kann. Das ist immernoch eine Menge! Denn für die meisten hat das Corona-Virus noch nicht in das tägliche Leben eingegriffen.

Was kann ich also vom Corona-Virus lernen?

  1. Lass dich nicht verblüffen! Bedrohliche Szenarien werden immer wieder kommen.
  2. Bleibe wachsam. Informiere dich gründlich und beachte die Vorsichtsmaßnahmen!
  3. Und schließlich: Baue vor! Das Leben ist genau genommen immer lebensgefährlich. Beginne deshalb eine Beschäftigung mit den letzten Dingen (Sinn, Leben, Tod).

… ist wie ein Raum mit vielen Türen …

… aber welche soll ich gehen? Suchst du deinen Sinn, deine Mission, deine „Berufung“? Etwas, was dich interessiert, begeistert, lebendig macht – eine Leidenschaft für dein Leben? Das ist nicht ganz einfach, aber die gute Nachricht ist, man kann es lernen.

Wie das geht – darüber schreibe ich in diesem Blog. Einige meiner Beiträge sind theoretisch und bringen wichtige Hintergrundinformationen, zum Beispiel über Viktor E. Frankl oder Stephen R. Covey, die als Vordenker dieser Fragen gelten können. Andere bringen praktische oder aktuelle Beispiele. In einem anderen Blog schreibe ich auch darüber, wie das Rennradfahren für mich eine proaktive Maßnahme in meinem Leben wurde, die mir sehr viel gegeben hat. Das Ziel aller Beiträge ist es, dass du lernst, wie du deiner Existenz so Sinn verleihst, und zwar so, dass es dich selbst und andere glücklich macht.

Entscheidungen ...
Welche Tür ist die richtige?
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Hier einige Infos zu mir: Meine Name ist Georg Arthur Pflüger. Ich bin kein Erfolgscoach. Ich habe keine schnelle Lösungen. Von Beruf bin ich seit vielen Jahren Schulleiter und deshalb gewohnt, dass manche Entwicklungen ihre Zeit brauchen. Was mich zutiefst motiviert ist, dass man anderen beibringen kann, wie man seinen Sinn findet. Das habe ich immer wieder erfahren. Ob innerhalb der Schule oder außerhalb.

Das pädagogische Konzept unserer Schule widmet sich dieser Frage: Wie kann ich anderen beibringen, das zu finden, was sie trägt, nährt und mit Begeisterung erfüllt? Dieses Ziel sollte jede Schule erfüllen.

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