Hervorgehoben

Mit dem Corona-Virus proaktiv umgehen

Eine sorgfältige Wahrnehmung des Sachverhalts zeigt:

  • Die Krankheit ist für die meisten Menschen nicht lebensbedrohlich.
  • Die Ansteckungsgefahr ist hoch.
  • Das Corona-Virus erfüllt alle Kriterien eine Pandemie (ansteckende Krankheit, die sich flächendeckend ausbreitet).
  • Es gibt noch keine Heilmittel dagegen.
  • Die Pandemie ist eine ständig sich verändernde Größe. Deshalb heißt es: Wachsam bleiben und auch Infos achten!
  • Die Corona-Krankheit ist nur ein Beispiel für viele Krankheiten, die mich anstecken, krank machen oder sogar dahinraffen können.

Dann muss ich feststellen:

Photo by Anna Shvets on Pexels.com
  • Das Virus und die daraus entstehende Epidemie (ansteckende Krankheit) liegen außerhalb meines Aktionsradius genauso wie alle anderen möglichen Todesursachen. Ich kann nichts dagegen unternehmen, dass es dieses Virus und die daraus folgende Bedrohung gibt. Diese Tatsache muss ich einfach akzeptieren. Es hat keinen Sinn, sich dagegen aufzulehnen. Ein proaktiver Mensch kann unterscheiden, was er ändern kann und was nicht. Die Verletzlichkeit und Sterblichkeit von mir als Mensch kann ich definitiv nicht ändern.
  • Daraus folgt, dass sich in mancher Hinsicht mein Aktionsradius verkleinert: Reisen müssen gegebenenfalls abgesagt werden, Konferenzen und Großveranstaltungen. Auch dagegen kann ich nichts unternehmen, sondern muss das akzeptieren. Als proaktiv lebender Mensch weiß ich, dass es immer wieder Ereignisse oder Entwicklungen gibt, die meinen Aktionsradius beschränken werden.
  • Trotzdem weiß ich auch: Nichts und niemand kann mich daran hindern, meine Freiheit zu verlieren. Meine Freiheit besteht nicht darin, das zu ändern, was außerhalb meines Aktionsradius liegt. Meine Freiheit besteht darin, mich zu dem, was mich einschränkt, einzustellen und zu verhalten. Also: Was kann ich proaktiv tun?
  • Hygiene-Regeln einhalten, siehe zum Beispiel https://www.infektionsschutz.de/mediathek/printmaterialien.html
  • Mich mit den letzten Dingen (mein Sinn, mein Leben, mein Tod) beschäftigen. Dies hilft mir, in Zeiten der Bedrohung Ruhe zu bewahren.
  • Heute leben und heute das tun, was ich tun kann. Das ist immernoch eine Menge! Denn für die meisten hat das Corona-Virus noch nicht in das tägliche Leben eingegriffen.

Was kann ich also vom Corona-Virus lernen?

  1. Lass dich nicht verblüffen! Bedrohliche Szenarien werden immer wieder kommen.
  2. Bleibe wachsam. Informiere dich gründlich und beachte die Vorsichtsmaßnahmen!
  3. Und schließlich: Baue vor! Das Leben ist genau genommen immer lebensgefährlich. Beginne deshalb eine Beschäftigung mit den letzten Dingen (Sinn, Leben, Tod).

Ruhe finden

Kreuzgang im Stephansdom in Mainz

Um proaktiv zu leben, muss man in der Lage zu sein, Ruhe zu finden. Der Kreuzgang war eine ausgefeilte Methode, um in einer reduzierten Form der Bewegung zur Ruhe zu kommen. Überall waren Bilder und Hinweise, um den Geist zu sammeln und zu fokussieren. Sogar die Architektur selbst, das Quadrat mit dem Kreuz im Mittelpunkt, wies auf die Quelle der christlichen Meditation hin.

Take away message – just do it: Suche in Bewegung Ruhe. Reduziere die Ablenkung bei der Bewegung und stelle dir kreativ überall, wo es geht, kleine Erinnerungs- und Vertiefungstäfelchen, Bilder oder Zettel für dein Thema auf.

Schließe dich 232 anderen Abonnenten an

Die zehn Gebote der Proaktivität

Der Berg Sinai in Ägypten, wo Mose die zehn Gebote erhalten haben soll.
Foto: Georg A. Pflüger

Bei meinen Versuchen, das komplexe Thema der Proaktivität griffig darzustellen, bin ich auf das, wenn man so sagen kann, „Genre der Zehn Gebote“ gestoßen.
Was mich immer an den zehn Geboten der Bibel beeindruckt hat, ist vor allem ihre Kürze. Wenn alle Menschen die zehn Gebote halten würden, könnte man sich Millionen Wörter an Gesetzestexten sparen.

Hier sind also meine zehn Gebote der Proaktivität:

  1. Im „Ich bin“ deiner Person liegt dein Sinn. Du sollst alle deine Ziele von diesem Anfang und Ende her sehen.
  2. Du sollst den tiefsten Wert deines Sinnes, und das sind dein Herz und dein Gewissen, nicht verraten.
  3. Du sollst dich nicht mit billigem Ersatz für deinen Sinn zufrieden geben.
  4. Du sollst regelmäßig Auszeiten nehmen, um dich zu besinnen.
  5. Du sollst deinen Sinn nicht losgelöst von deinen Eltern suchen. Denn ein Teil ihres Sinns im Leben bist du.
  6. Du sollst mit den anderen kooperieren, denn das hilft dir auf deinem Weg.
  7. Du sollst die Beziehungen deiner Mitmenschen achten. Denn das spart dir viel Kraft.
  8. Du sollst andere bei ihrer Sinnsuche nicht behindern. Du sollst vor allem keine Entfaltungsmöglichkeiten unwiderruflich beschneiden, indem du Leben vernichtest. Das geht gar nicht.
  9. Du sollst dich mit anderen, ihrem Eigentum und ihren Errungenschaften, nicht vergleichen, denn das kostet Kraft.
  10. Du sollst deinen Sinn nicht im Eigentum anderer Leute suchen. Dort kannst du ihn nicht finden.

Wenn du mehr über Proaktivität erfahren möchtest, abonniere einfach mein Blog. Du erhältst dann eine Email immer dann, wenn ich etwas Neues poste.

Schließe dich 232 anderen Abonnenten an

Stephen R. Covey – der Proaktivitäts-Firmenchef

Neben Viktor E. Frankl gibt es in neuerer Zeit einen weiteren Mann, der das Loblied der Proaktivität gesungen hat: Stephen R. Covey (1932 – 2012). Kam Frankl aus dem alteuropäischen Wien und pflegte als promovierter Psychiater und Philosoph Umgang mit Größen wie Alfred Adler und Sigmund Freud, so stammte Stephen R. Covey aus einer Welt, in der Stadt-, Universitäts- und Staatsgründungen mit Pionieren zusammenhingen, die glaubten, dass zu den touristischen Highlights ihrer Wüstenregion „Deseret“, später Utha, in tiefer Vergangenheit der Garten Eden und in ferner Zukunft die Wiederkunft Christi gehörte. Covey war Mormone und das heißt: Er war ein Familienmensch, er war fortschrittsgläubig, er war als Harvard-MBA durch und durch Geschäftsmann, er war als promovierter Religionspädagoge ein Kommunikator von Graden und er war in dieser besonderen Mischung am Ende seines 55-jährigen Ehelebens (mit einer Frau) ein Musteramerikaner mit neun Kindern, 52 Enkeln, 4 Großenkeln und einer Beratungsfirma, die heute in ca. 150 Ländern tätig ist und sich als Weltmarktführer in Sachen Organisationsentwicklung bezeichnet. Und all das auf dem Boden von Frankls Proaktivität? Wie konnte es dazu kommen?

Covey hatte es nicht einfach. Als junger Mann muss er ein begabter Athlet gewesen sein, bekam jedoch in jungen Jahren eine Knochenerkrankung (Epiphysiolysis Femoris – ) (Guayco / Alfredo (2014, S. 23), wurde an der Hüfte operiert, musste mit langen Schrauben in seinem Körper leben lernen und ging drei Jahre an Krücken. Für einen erfolgshungrigen jungen Menschen keine leichte Situtation. Wir reagierte Covey? Proaktiv. Er konzentrierte sich auf das, was er tun konnte, nämlich seine Einstellung zu diesem Pech zu ändern und sich in seiner Highschool beim Sportteam ab- und beim Debattenteam anzumelden. Und er zog alle seine Energie ab von dem, was er nicht ändern konnte – seiner Krankheit. So konnte seine Entwicklung positiv weitergehen: Covey hatte gelernt, mit Niederlagen und Rückschlägen umzugehen, und mit dem Debattierclub einen Grundstein für seine spätere Karriere gelegt. Später sollte Covey sagen: „I am not a product of my circumstances. I am a product of my decisions.“

Wie lernte er das? Als wichtiger Einfluss wird seine Mutter genannt, die ihm am Krankenbett und wahrscheinlich auch sonst bei jeder passenden Gelegenheit sagte: „Du kannst erreichen, was du willst. (You can do anything you want!)“ Seine Familie insgesamt bestand insgesamt aus Menschen, die Willenskraft, Optimismus und Erfolg verkörperten. Sein Großvater Stephen Mack Covey (1869-1959) zum Beispiel hütete in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts in den Weiten Wyomings Schafe, als er von einem Schneesturm überrascht wurde. Bei 40 Grand Minus und dem Tode nahe gelobte er, an dieser Stelle eine Schutzhütte zu bauen. Gesagt, getan – „a promise kept, a dream come true“ – aus dem Gelöbnis in Todesgefahr wurde eine Tankstelle, die er nach dem Vorbild des Antarktis-Forschers Byrd „Little America“ nannte. Little America wurde, als sich exakt an dieser Stelle später zwei Interstate-Highways trafen, von der Tankstelle und Truck-Stop zum Motel und zur Öl-Company Sinclair-Oil. Eine Familie, in der solche Geschichten erzählt werden, bildet eine Kultur starker, positiver, auf Willen und Optimismus gegründeter Prägeworte wie „You can do anything you want!“ Dies ist die psychologische Wirklichkeit, in der Stephen Covey aufwuchs, ganz unabhängig davon, wie diese Wirklichkeit nun vom Mormonentum beeinflusst war oder nicht.

Justizgebäude in Provo, Utah. In dieser Stadt lebte Stephen Covey, hier ist auch die Brigham Young University.
Photo by Michael Hart on Unsplash

Hinzu kam, dass Covey offensichtlich ein bestimmtes Verhalten an den Tag legte, das seine Vorgesetzten in der Mormonengemeinde dazu brachte, ihn zum Ausbilder für Führungspersönlichkeiten heranzuziehen. Schon wenige Monate, nachdem er nach England aufgebrochen war, um dort seine zwei Jahre als Mormonen-Missionar abzuleisten, wurde er in das Training von neuen Gemeindeleitern abberufen. Die intellektuelle Grundlage für seine Karriere legte Covey danach mit seiner Dissertation, die er an der von Mormonen gegründeten Brigham Young Universität ablegte. Acht Jahre lang nahm er sich Zeit, um die amerikanische Erfolgsliteratur seit 1776 zu sichten. Das Ergebnis dieser Studien ist sein Longseller „The 7 Habits of Highly Effective People“ von 1989, der mehr als 20 Millionen mal verkauft und in 40 Sprachen übersetzt wurde. Darin hat er seine eigenen Beobachtungen und Erfahrungen sowie sein umfassendes akademisches Wissen aus der Ratgeberliteratur zu einer From-Zero-to-Hero-Timeline zusammengefasst, die von persönlicher Abhängigkeit zur Unabhängigkeit, dann aber auch zur gekonnten Kooperation führt (dependance, independance, interdependance). Und am Anfang dieser Reise zum Erfolg, gewissermaßen als Kern des Ganzen, steht Frankls Proaktivität – „be proactive“ heißt die erste der sieben „Gewohnheiten“.

Covey: „For half a century I’ve been involved in the subject of this book in many different contexts all around the world. If you were to ask me what one subject, one theme, one point, seemed to have the greatest impact upon people – what one great idea resonated deeper in the soul than any other – of you were to ask what one ideal was most practical, most relevant, most timely, regardless of circumstances, I would answer quickly, without any reservation, and with the deepest conviction of my heart and soul, that we are free to choose. Next to life itself, the power to choose is your greatest gift. This power and freedeom stand in stark contrast to the mind-set of victimism and culture of blame so prevalent in society today.“ (Covey, 2004, S. 41) Das ist Frankl in Reinkultur: „Die geistige Freiheit des Menschen, die man ihm bis zum letzten Atemzug nicht nehmen kann, läßt ihn auch noch bis zum letzten Atemzug Gelegenheit finden, sein Leben sinnvoll zu gestalten. … Leben heißt letztlich eben nichts anderes als: Verantwortung tragen für die rechte Beantwortung der Lebensfragen, für die Erfüllung der Aufgaben, die jedem einzelnen das Leben stellt, für die Erfüllung der Forderung der Stunde.“ (Frankl, Viktor E., 1977/2009, S. 103 und 118) Am Ende des Buches, in dem Covey Proaktivität am gründlichsten durchdenkt – The 8th Habit -, zitiert Covey einige Menschen, die ihm besonders viel bedeuten. Neben seinem Großvater und einem General kommt am ausführlichsten der Biograph von Viktor E. Frankl zu Wort (Covey, 2004, S. 315/6).

Covey behauptete nie, dass er das Wort oder die Haltung der Proaktivität selbst erfunden habe. Wiederholt erzählt er, wie er beim Studieren in Hawaii in einer Bibliothek auf ein Buch stieß (z.B. Covey, 1997, S. 27). Diese Entdeckung muss ihn, so erzählt er es, zutiefst bewegt und verändert haben. Er nennt drei Aussagen aus diesem Buch: 1. Zwischen Stimulus und Response ist ein Zwischenraum. 2. In diesem Zwischenraum liegt unsere Freiheit und die Macht, unsere Antwort zu wählen. 3. In unserer Antwort liegen unser Wachstum und unser Glück. Es ist bemerkenswert, dass Covey erzählt, wie er die zentralen Aussagen seiner Philosophie, die Grundlagen der Proaktivität, nun ja, abgeschrieben hat. Er sagt aber nicht, von wem. Viktor E. Frankl? M. Scott Peck? Klar ist, dass Covey aus vielen Quellen geschöpft hat. Zum Beispiel stammt der sprachliche Griff, Effektivität als „Gewohnheit“ zu bezeichnen, laut Covey von keinem Geringeren als dem Management-Guru Peter Drucker.

Nun wurde Covey immer wieder vorgeworfen, dass seine „Gewohnheiten“ nur eine säkularisierte Fassung seiner mormonischen Glaubenssätze seien. Covey schreibt zwar: „There is not one principle taught in this book that is unique to any specific faith or religion, including my own. These principles are a part of most every major enduring religion, as well as enduring social philosophies and ethical systems.“ (Covey, Stephen R., 1989/2004, Vorwort). Aber in „The Divine Center“, einem theologischen Buch, das ganz von den mormonischen Schriften her denkt, schreibt er: „I have found in speaking to various non-LDS groups in different cultures that we can teach and testify of many gospel principles if we are careful in selecting words which carry our meaning but come from their experience and frame of mind.“ (Covey, Stephen R., 1982/2005, pos 3358) Das zeigt zumindest, dass Covey sich des Umstandes bewusst war, dass er manche seiner persönlichen Prinzipien durch entsprechende Begriffe als allgemeine Prinzipien tarnen konnte. Aber welche waren das?

Schauen wir uns die „7 Gewohnheiten“ genauer an. Die Gewohnheiten 1 bis 3, also Proaktivität, Zielbewusstsein und kluge Priorisierung sind weltanschaulich nicht tendenziös. Das Gleiche gilt für 4 bis 7, das sind beiderseitige Vorteile suchen, Zuhören, Synergien suchen und stetig an sich arbeiten. All diese Gewohnheiten mit ihren zugrundeliegenden Werten wie Vertrauen, Kooperation, Entschlossenheit oder Fleiß sind ethische Bausteine, die in keiner Weise Mormonen, Christen oder Muslime allein auszeichnen. Was Covey von allgemeinen Ansätzen unterscheidet, ist dass er diesen Bemühungen als Mormone einen vergöttlichenden Effekt beimisst. Das erhöhte mit Sicherheit seine persönliche Motivation für diesen Weg, macht den Weg selbst aber nicht irgendwie angreifbar, irreführend oder sektiererisch. Schließlich ist es kein Makel, an der Entwicklung seiner eigenen Persönlichkeit zu arbeiten, im Gegenteil. Der Weg der sieben Gewohnheiten ist also „common sense“, allerdings nicht „common practice“. Coveys Verdienst ist in diesem Sinne, dass er mit seiner griffigen Zusammenfassung vieler Erfolgsratgeber und seiner energischen Persönlichkeit vielen einen Weg gezeigt und sie inspiriert hat, sich proaktiv und kooperativ aus der eigenen Opferhaltung zu befreien und eine freie und selbstbestimmte Zukunft anzupacken. Dies ist ein oder vielleicht der Kern des Selbstverständnisses der westlichen freien Welt: Freiheit, Selbstbestimmung, Kooperation, kreative Problemlösung. Proaktivität ist der Schlüssel zur politischen Freiheit und zum persönlichen Glück. Sich auf diesem Weg die Gewohnheiten von Stephen Covey anzueignen, hilft ganz erheblich.

Falls du mehr zum Thema Proaktivität erfahren willst, dann abonniere einfach mein Blog. Du erhältst dann jedes Mal eine Email, wenn ich etwas Neues poste.

Schließe dich 232 anderen Abonnenten an

Quellen:
Covey, Stephen R. (1989/2004): The 7 Habits of Highly Effective People. Powerful Lessons in Personal Change. New York: Simon & Schuster, Inc / Free Press.
Covey, Stephen R. (2008): The Leader in Me. How Schools and Parents Around the World Are Inspiring Greatness, One Child At a Time. New York: Free Press/Simon & Schuster Inc.
Covey, Stephen R. (1997): The 7 Habits Of Highly Effective Families. Building A Beautiful Family Culture In A Turbulent World: New York: Golden Books.
Covey, Stephen R. (2004): The 8th Habit. From Effectiveness to Greatness. New York: Free Press.
Covey, Stephen R. (1982/2005): The Divine Center. Why We Need a Life Centered on God and Christ and How We Attain It. Salt Lake City: Deseret Book Company (Kindle Edition).
Frankl, Viktor E. (1977/2009): … trotzdem Ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager. München: Kösel (Kindle Edition)
Guayco, Marion Theodore G. / Fernandez-Cuervo, Alfredo (2014): The Bibliotherapeutic Effect of Texts: An Analysis on Stephen Covey’s “The Seven Habits of Highly Effective People“. Manila: Kalayaan College. (Seminararbeit)
http://www.wyomingtalesandtrails.com/littleamerica.html: Eine Geschichte aus Coveys Familie, die deren Unternehmergeist und Zuverlässigkeit demonstriert.
http://www.apologeticsindex.org/4554-closer-look-stephen-covey-7-habits: Eine theologische Kritik an Coveys sieben Gewohnheiten.
https://www.linkedin.com/pulse/38-most-inspiring-leadership-quotes-i-know-dr-travis-bradberry/: Eine Liste von Zitaten berühmter Führungspersönlichkeiten.
https://money.cnn.com/magazines/fortune/fortune_archive/1994/12/12/80049/index.htm: Ein Feature über Coveys Errungenschaften des Magazins Fortune.
https://www.latimes.com/local/obituaries/la-me-stephen-covey-20120717-story.html: Ein Nachruf auf Covey der Los Angeles Times.
https://www.ezw-berlin.de/html/3_141.php: Die Evangelische Zentrale für Weltanschauungsfragen zum Mormonentum.
https://www.franklincovey.com/: Die weltweit agierende Beratungsfirma von Covey.

Viktor E. Frankl – der Entdecker der Proaktivität

Viktor E. Frankl wurde 1905 in Wien geboren, promovierte als Arzt und Philosoph, therapierte als Psychiater in der Wiener Nervenklinik „Am Steinhof“ über 1000 depressive und selbstmordgefährdete Frauen (Klingberg, 2013, S. 81) und – er war Jude. Was er in Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Dachau erleben musste, schildert er in dem Buch „… und trotzdem Ja zum Leben sagen“ eindrücklich und mit psychologisch geschultem Blick. Sein Kernerlebnis war: Vor allem diejenigen konnten unter Strapazen und Qualen, in Kälte, Zwangsarbeit, Hunger und Epidemien ihr Immunsystem aufrecht erhalten und überleben, die folgendes gelernt hatten: „Die geistige Freiheit des Menschen, die man ihm bis zum letzten Atemzug nicht nehmen kann, läßt ihn auch noch bis zum letzten Atemzug Gelegenheit finden, sein Leben sinnvoll zu gestalten. … Leben heißt letztlich eben nichts anderes als: Verantwortung tragen für die rechte Beantwortung der Lebensfragen, für die Erfüllung der Aufgaben, die jedem einzelnen das Leben stellt, für die Erfüllung der Forderung der Stunde.“ (Frankl, Viktor E., 1977/2009, (Kindle Edition) S. 103 und 118).

Seinen Weg zu finden ist nicht immer einfach. Straßen in San Diego, USA.
Photo by Abraham Barrera on Unsplash

Den Sinn musste laut Frankl jeder für sich selbst suchen. Manche fanden ihn in Verwandten, auf die sie sich freuten, manche in einem Werk, das sie vollenden wollten, manche im Glauben, sei es als Jude, Christ oder einer anderen Religion. Diese im äußersten Leid gewonnene und somit auf Erfahrung basierende Erkenntnis zeigte Frankl: Der Mensch muss der proaktive Sinngeber und Unternehmer seines eigenen Lebens bleiben, sonst geht er zugrunde.

Diese Erkenntnis wurde zum Ausgangspunkt von Frankls psychotherapeutischem Ansatz, der Logotherapie (vergl. das griechische Wort logos für Wort, Sinn). Seine Gedanken darüber hat er in über 30 Büchern veröffentlicht, ihm wurden weltweit 29 Ehrendoktorate verliehen. Aus einem geknechteten Niemand im KZ wurde so dank der Kraft persönlicher Sinngebung ein Mann, der nicht nur weltweit geachtet wurde, sondern auch für sich selbst den richtigen Sinn fand. Frankl starb 1997. Mit seinem Therapieansatz wurde er wissenschaftlich gesehen der Entdecker der proaktiven Selbststeuerung.

Bewegend und überzeugend sind für mich auch, aber nicht in erster Linie seine akademischen Errungenschaften. Beeindruckend finde ich vielmehr

  • diese im Feuerofen des Leidens erlebte Wirkung, welche die Kraft der persönlichen Sinngebung entfalten kann – bis hinein ins Immunsystem der Menschen unter widrigsten Umständen
  • dass Frankl das so glasklar analysiert hat, dass in dieser Kraft und Macht des Menschen, „die man ihm bis zum letzten Atemzug nicht nehmen kann“, eine FREIHEIT, liegt, nämlich die Freiheit, „sein Leben sinnvoll zu gestalten“, komme, was da wolle
  • dass Frankl diese Freiheit verbunden hat – nicht mit eigenen Wünschen oder individuellen Zielen – , nein, sondern mit dem Leben selbst, also mit allem, was micht umgibt, Menschen, Dinge, Geschichte
  • dass aus der Wahrnehmung dieser Umwelt dann im Einklang mit seinem Selbst eine innere Haltung der Verantwortung entsteht: „Verantwortung tragen für die rechte Beantwortung der Lebensfragen, für die Erfüllung der Aufgaben, die jedem einzelnen das Leben stellt, für die Erfüllung der Forderung der Stunde“.

Diese innere Haltung einzunehmen, das ist das, was Frankl seinen Patienten in der Logotherapie nahelegte. Diese Haltung kannst du immer einnehmen. Nichts und niemand kann dich daran hindern. Darin liegt deine Würde, Freiheit und deine innere Kraft als Mensch. Diese Haltung nannte Frankl Proaktivität.

Falls du mehr zum Thema Proaktivität erfahren willst, abonniere mein Blog. Du erhältst dann jedes Mal eine Email, wenn ich etwas Neues poste.

Schließe dich 232 anderen Abonnenten an

Bücher

Frankl, Viktor E. (1977/2009): … trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager. München: Kösel Verlag. Kindle Edition.
Frankl, Viktor E. (1991): Der Wille zum Sinn. Ausgewählte Vorträge über Logotherapie. München: Piper.
Klingberg, Haddon, Jr. (2013): Viktor und Elly Frankl. Die Geschichte zweier außergewöhnlicher Menschen. Wien: Facultas Verlags- und Buchhandels AG

Filme

Sinn im Leben finden | Elisabeth Lukas im Gespräch
Elisabeth Lukas ist eine Schülerin Frankls. Kommentar unter dem Video: „Ein sehr wertvolles Gespräch, mit vielen wichtigen Impulsen. Das müsste in den Schulen gelehrt werden.“

MEANING IN EDUCATION: HUSTON C. SMITH INTERVIEWING VIKTOR FRANKL, 1963 Der Titel verspricht zu viel. Es geht nicht um Pädagogik, nur indirekt.  Sehr schöne Erklärung des Wortes Intuition. Rationales Denken führt auf allgemein gültige Zustände. Intuition auf einmalige Sachverhalte.


Viktor Frankl: Why education is failing 1965 – Es geht um das amerikanische Bildungssystem der damaligen Zeit. Frankl moniert die Abwesenheit von echtem Sinnerleben in der Schule.

Proaktivität praktisch

Dieses Blog dreht sich um Proaktivität.
Proaktiv sein, proaktiv leben – was heißt das?

Es heißt: Die Welt und sich selbst darin nach allen Regeln der Kunst und Wissenschaft achtsam wahrzunehmen und auf dieser Grundlage sich selbst einen angemessenen Sinn zu verleihen.

Das pädagogische WEiSE-Konzept der Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Schule eG, Wetzlar ||
So wie Pflanzen wachsen, kann sich auch der Mensch organisch entfalten. Aber der Mensch muss es im Gegensatz zur Pflanze erst lernen. Vor allem, was seine Umwelt angeht.

Proaktivität hat niemand erfunden. Sie ist als Haltung und Lebensstil eine condition humaine, ein Grundhumanum, sie macht unsere menschliche Würde aus und gehört zum common sense. Leider ist „common sense“ aber nicht „common practice“.
Proaktivität wurde als Thema von unterschiedlichen Menschen besonders herausragend fokussiert, formuliert und damit in gewisser Weise „ent-deckt“. Dazu gehören zum Beispiel in neuerer Zeit der österreichische Psychiater Viktor E. Frankl und der amerikanische Unternehmensberater Stephen R. Covey. Auch in der philosophischen und theologischen Geschichte wurde die Frage nach dem Sinn, dem Wozu und dem freien Willen immer wieder erörtert. In diesem Blog möchte ich weiter mithelfen, diese so wichtige, frohmachende und vitalisierende Entdeckung des proaktiven Lebens verständlich und nachvollziehbar zu machen.

Zusammenfassen kann man das so:
Wer proaktiv leben will, hat verstanden,

  • dass eine nüchterne Welterkenntnis der Boden ist, auf dem ich gehe und stehe,
  • dass realistische Selbsterkenntnis den Mut erfordert, sich selbst anzuschauen,
  • dass jede Erkenntnis bestimmten Methoden folgt,
  • dass Wissenschaft und Kunst dabei wichtige Rollen spielen,
  • dass zur Wahrnehmung immer eine besondere Achtsamkeit gehört – sich selbst und der Welt gegenüber -,
  • und dass es möglich ist, auf dieser Grundlage für sich selbst einen besonderen, für mich und die Umwelt stimmigen und einzigartigen Sinn zu finden und sich diesen zu verleihen.

Deshalb möchte ein proaktiver Mensch

  • lebenslang lernen – denn die Welt und das Ich darin ändern sich ständig
  • wissenschaftliche und künstlerische Methoden erlernen – denn die richtige Wahrnehmung hängt immer von mir und dem Wahrzunehmenden ab
  • an alles mit einer inneren Haltung der Achtsamkeit herangehen – denn gutes Hören und Sehen ist eine Frage der Einstellung
  • für diese achtsame Wahrnehmung Zeit und Liebe aufwenden
  • jedes Jahr wieder neu Zeit und Liebe investieren, um Methoden der Sinnfindung zu erlernen
  • in jeder Lebensphase neu den Sinn suchen, der für sich und seine Umwelt auf der Grundlage einer achtsamen Wahrnehmung besonders stimmig ist.

Dieses Blog hat das Ziel, dich zu einem proaktiven Leben anzuregen. In gewisser Weise ist das nichts Neues. Jeder Mensch muss, um verantwortlich leben zu können, mehr oder weniger proaktiv sein. Aber sich mit dem proaktiven Leben auseinanderzusetzen lässt dich stärker und bewusster leben. Denn …

… Proaktivität ist

  • eine lehr- und lernbare Lebenshaltung
  • der Stoff aus dem eine gesunde Persönlichkeit besteht
  • das, was eine Führungspersönlichkeit ausmacht – und wir alle führen unser eigenes Leben
  • die Grundlage für jede Erfindung, sei es in Technik oder Geisteswissenschaft
  • das Holz, aus dem Unternehmerinnen und Unternehmer geschnitzt sind,
  • und schließlich der Kern unserer westlichen freien Gesellschaft.

Arbeite daran, Schritt für Schritt proaktiv leben zu lernen. Dies kann dein Weg in deine persönliche Freiheit und dein persönliches Wachstum werden. Fange damit an, indem Du immer wieder Impulse zum proaktiven Leben bekommst.

Schließe dich 232 anderen Abonnenten an